PapierkramVorlagen, die funktionieren

Schuldentilgung: Schneeball oder Lawine?

Stand 18.10.2026 · Lesezeit ca. 4 Min.

Zwei Strategien, mehrere Schulden loszuwerden. Ein Rechenbeispiel zeigt, was sie unterscheidet, und wann Beratung der bessere Weg ist.

Wer mehrere Schulden gleichzeitig hat, steht vor einer einfachen, aber wichtigen Frage: Welche zahle ich zuerst extra zurück? Zwei Methoden haben sich dafür eingebürgert. Beide setzen voraus, dass du alle Mindestraten bedienst und das, was übrig bleibt, gezielt auf eine Schuld lenkst.

Ein Hinweis vorab: Dieser Text ist eine Rechen- und Orientierungshilfe, keine Rechts- oder Schuldnerberatung. Wenn du Mahnungen, Inkasso, einen Mahnbescheid oder eine Kontopfändung bekommst, geh zuerst zu einer Schuldnerberatung (siehe unten).

Die Grundidee: Mindestraten plus Extra

  1. Liste alle Schulden auf: Gläubiger, Restschuld, Zinssatz, Mindestrate.
  2. Lege fest, wie viel du insgesamt pro Monat für Schulden einsetzen kannst.
  3. Zahle bei allen die Mindestrate. Der Rest geht als Extra auf eine Schuld.
  4. Ist diese getilgt, wandert ihre gesamte frühere Rate zusätzlich auf die nächste. So wächst das Extra von Schritt zu Schritt wie ein rollender Ball oder eine Lawine.

Methode 1: Schneeball (kleinste Restschuld zuerst)

Du sortierst nach Höhe der Restschuld, die kleinste zuerst. Der Vorteil ist psychologisch: Nach kurzer Zeit ist eine Schuld ganz verschwunden, du hast ein Erfolgserlebnis und eine Rate weniger. Das hilft vielen, dranzubleiben.

Der Nachteil: Eine kleine Schuld muss nicht die teuerste sein. Während du sie abzahlst, läuft bei einer größeren, höher verzinsten Schuld weiter Zins auf.

Methode 2: Lawine (höchster Zins zuerst)

Du sortierst nach Zinssatz, den höchsten zuerst. Das ist rechnerisch die günstigste Reihenfolge, weil du zuerst die Schuld abbaust, die dich am meisten kostet. Der Nachteil: Wenn die teuerste Schuld auch die größte ist, dauert es lange, bis du etwas „Fertiges“ siehst.

Rechenbeispiel

Das Beispiel ist erfunden und vereinfacht gerechnet: Der Zins wird monatlich als ein Zwölftel des Jahreszinses auf die Restschuld berechnet, Gebühren und Besonderheiten der Verträge sind ausgelassen. Für den Vergleich genügt das.

SchuldRestschuldZins pro JahrMindestrate
Kreditkarte1.800 €19,9 %40 €
Dispo1.200 €12,5 %30 €
Ratenkredit6.000 €7,9 %150 €
Händlerkredit900 €0 %50 €

Insgesamt stehen 500 € pro Monat zur Verfügung (Summe der Mindestraten: 270 €, das Extra beträgt also 230 €).

Ergebnis der Rechnung:

MethodeSchuldenfrei nachGezahlte Zinsen insgesamt
Lawine22 Monatenrund 810 €
Schneeball22 Monatenrund 955 €

Beide Wege brauchen hier gleich lange, weil das monatliche Budget gleich bleibt und der große Ratenkredit am Ende steht. Die Lawine spart in diesem Beispiel etwa 145 € Zinsen. Im Schneeball verschwindet dafür der Händlerkredit schon nach 4 Monaten, die Lawine räumt zuerst die Kreditkarte ab (nach 8 Monaten).

Was daran zu lernen ist: Der Unterschied liegt bei dieser Konstellation im Bereich von ein paar Hundert Euro, nicht bei Tausenden. Je größer die Zinsunterschiede und je länger die Laufzeit, desto größer wird er. Wenn alle Zinssätze ähnlich sind, ist der Unterschied klein, und die Methode, die du durchhältst, ist die bessere.

Welche Methode passt zu wem?

  • Lawine, wenn du rational priorisierst, die Motivation stabil ist und ein hoher Zins (Dispo, Kreditkarte, Ratenkredit mit hohem Satz) auf dem Konto liegt.
  • Schneeball, wenn du Erfolgserlebnisse brauchst, viele kleine Schulden hast oder schon einmal aufgegeben hast.
  • Mischform: Erst eine ganz kleine Schuld erledigen, dann nach Zins sortieren. Das ist erlaubt.

Wichtige Vorarbeit

  • Vollständiger Überblick. Mahnungen, Ratenzahlungen, Kreditkarten, Kontoüberziehung, Ratenkäufe, private Darlehen. Wer nicht alles sieht, plant falsch.
  • Sondertilgung prüfen. Bei Verbraucherdarlehen kannst du nach § 500 BGB den Kredit jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückzahlen. Der Kreditgeber darf in bestimmten Fällen eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Lies deinen Vertrag und frage bei der Bank nach, bevor du größere Beträge extra zahlst.
  • Notgroschen. Ein kleiner Puffer verhindert, dass dich die nächste Waschmaschine wieder zum Dispo treibt. Auch wenige Hundert Euro helfen.
  • Neue Schulden stoppen. Kreditkarte einfrieren, Ratenkäufe lassen. Sonst füllt sich der Topf schneller, als du ihn leerst.
  • Haushaltsbuch. Ohne Überblick über Einnahmen und Ausgaben weißt du nicht, wie viel „Extra“ wirklich möglich ist (siehe Haushaltsbuch führen).

Wann Schuldnerberatung der bessere Weg ist

Wenn das Geld nicht für die Mindestraten reicht, wenn Inkassobriefe kommen oder das Konto gepfändet wird, ist ein Tilgungsplan allein nicht die Antwort. Dann hilft eine kostenlose, seriöse Schuldnerberatung (Wohlfahrtsverbände, Verbraucherzentralen, kommunale Stellen). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung informiert über Beratungsstellen. Bei einer Kontopfändung kann ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) nach § 850k ZPO einen Teil des Guthabens schützen. Sprich darüber mit der Beratung, statt Verträge von Schuldenregulierern zu unterschreiben, die Vorauszahlung verlangen.

Wie du es praktisch angehst

Eine Tabelle mit allen Schulden, Zinsen und Raten und eine Zeile pro Monat, in der die Restschulden fortgeschrieben werden, reicht aus. Nach jedem Monat trägst du die tatsächlichen Zahlungen ein und siehst, wann die erste Schuld verschwindet. Die Vorlage Schuldentilger macht genau das mit Schneeball- und Lawinenplan; die Rechnung im Beispiel oben ist mit demselben Verfahren nachvollziehbar. Wie viel du überhaupt zurücklegen kannst, hängt von deiner Sparquote ab.

Quellen und weiterführende Stellen

Weiterlesen

Mit KI-Unterstützung geschrieben und von Hand redigiert. Allgemeine Information, keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.